Zinnschauer – Hunger . Stille (2014)

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Zinnschauer – Hunger . Stille
Label: Kapitän Platte, 2014
Format: Vinyl mit Inlay, Postkarte und Download
Links: Discogs, Musiker
Genre: Akkustik, Experimental, Screamo

Achtung: Hören Sie sich dieses Album auf keinen Fall in einem labilen Zustand an. Das Gehörte könnte Sie erschüttern und verzweifeln lassen. Ein Warnhinweis, der so auf dem ersten vollwertigen Album von Zinnschauer stehen könnte. Denn „Hunger.Stille“ ist eine Urgewalt, ein Ausbruch an Ausdruck und Gefühlen. Was die bisherigen Veröffentlichungen des Künstlers angekündigt haben, wird mit dieser Platte mehr als eingelöst.

Jakob Amr spielt Lieder über eine Trennung, eine missglückte Beziehung und die verfluchte Liebe. Das Album folgt dabei weder einer chronologischen, noch korrekten Reihenfolge. Der Hörer bestimmt selber, wo das Drama beginnt und wie es endet. Dazwischen stehen Wut, Trauer, Verzweiflung, Resignation und Hoffnung, dargestellt mit Stimme und Akkustikgitarre. Die sehr poetischen Texte mit vielen Wortspielereien und Buchstabenbildern werden geschrien, gesungen, geflüstert oder gesprochen. Wort um Wort dringen sie nicht nur ins Ohr, sondern zerpflücken die eigenen Gedanken und schneiden ins Herz. Alte Narben beginnen wieder zu bluten und Zweifel erscheinen. Teilweise wird Amr von weiteren Sängern unterstützt, gerne auch spricht er Worte weit vom Mikrofon weg. Die Gitarre unterstreicht die Aussagen und pendelt zwischen sanft gezupften Melodien und hart geschrammelten Akkorden. Singer-Songwriter Screamo, eine Explosion mit verzauberndem Funkenflug. Und kleine Farbtupfer wie Violine und Xylophon gestalten das Gespielte fast orchestral.

Wie immer bei der Liebe (oder der Unliebe) gibt es weder richtig noch falsch, keine Einseitigkeit und keine absolute Position. Auch auf diesem Albumdebüt muss man sich selber zurechtfinden, Energie und Konzentration aufwenden und sich im Strudel der Gefühle und Aussprüche einen Weg bahnen. Zinnschauer schrieb kein leichtes Werk für zwischendurch, sondern einen harten Brocken Wahrheit. Am Ende – oder Anfang, oder in der Mitte – ist man als Begleiter erschlagen, erdrückt und fasziniert. Seit „Holon: Anamnesis“ von The Hirsch Effekt hat mich kein Album über Liebe so stark berührt und mitgerissen wie „Hunger.Stille“. Dass beide Platten den Heimathafen von Kapitän Platte im Pass stehen haben, ist dabei kein Zufall.

Anspieltipps:
Das Zahnen Allein, Stille Ist Nur Das Warten Auf

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