Swans – To Be Kind (2014)

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Swans – To Be Kind
Label: Young God Records, 2014
Format: 3-fach Vinyl im Gatefold, mit Poster und Downloadcode
Links: Discogs, Band
Genre: Experimental, Noise, Art-Rock

„Love, child, reach, rise / Sight, blind, steal, light / Mind, scar, clear, fire / Clean, right, pure, kind“. Repetitiv und zurückhaltend starten die Swans unter der Leitung von Michael Gira in ihr neustes Album. Ach was, Album, Fels, Berg, Massiv. Verteilt auf sechs Seiten Vinyl und breit gewalzt auf über zwei Stunden Spielzeit bietet „To Be Kind“ vor allem eines: Mehr von gitarrenüberhäufter Experimentalmusik, voller Lärm, Verzerrung und sperrigem Gesang. Freunde der Gruppe sollten sich also gleich zu Hause fühlen und lustvoll eintauchen.

Nach „The Seer“ erschien 2014 bereits wieder ein monumentales Werk der New Yorker Art-Noise Band. Obwohl man nicht so recht wusste, was nach ihrem Opus Magnum überhaupt noch folgen soll, bringen die Musiker eine einfache Gleichung an den Tisch: Dasselbe noch einmal, wieder in grandios und wieder zum verlieren / verzücken komplex. Denn die Songs von den Swans machen es dem Hörer nicht leicht. Minutenlang werden instrumentale Passagen wiederholt, ohne Abwechslung in die Lieder zu bringen – dazu schreien, flüstern und sprechen die Sänger ihre Mantra-mässigen Texte in die rauschenden Mikrofone und die Grundstimmung scheint aus einem verzweifelten David Lynch-Film zu stammen. Teilweise driftet die Musik so weit in die Horrorstimmung, dass nur noch das Blut fehlt, das aus den Lautsprechern fliesst. Aber wer die Band kennt, der erwartet auch nichts Simples oder rasch Greifbares. Der Albumtitel „To Be Kind“ dient mehr dazu, Unwissende auf die falsche Fährte zu locken, und dann schelmisch hinter dem Vorhang zu sitzen und vor sich hin zu grinsen.

Manchmal erlaubt sich die Gruppe aber, ihre Musik mit mehr Struktur und Rhythmus zu versehen, wie beim doch kurzen „A Little God In My Hands“. Denn viele Lieder auf diesem Album durchbrechen die Grenze von zehn Minuten und wachsen auf über eine halbe Stunde an. Kakophonie, Disharmonie und ein fliessender Strom an vielschichtiger Musik. Was nicht immer einfach zu verarbeiten ist, lohnt sich umso mehr. Die Gruppe ist auf der Höhe ihrer Kreativität und schafft es, noch so lange und verstörende Lieder interessant zu gestalten. „To Be Kind“ ist nie langweilig oder unnötig, sondern immer direkt im Ohr, unbarmherzig und grossartig.

Anspieltipps:
Just A Little Boy, She Loves Us, Nathalie Neal

Das dazu passende Getränk:
Kaffee, zur Konzentration.

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