Aviv Geffen – Cracks (2014) / סדקים – אביב גפן

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Aviv Geffen – Cracks / סדקים – אביב גפן
Label: Helicon, 2014
Format: CD
Links: Musiker
Genre: Pop

Wenn ich schon nach Tel Aviv reise, dann kehre ich auch mit Musik vom grössten israelischen Popstar zurück. Aviv Geffen hält im Land Israel einen grösseren Status inne als Weltstars wie Madonna oder U2, seine Musik verkauft sich ums mehrfache und er begeistert die Massen seit Jahren. Bei uns in Europa kennt ihn hingegen praktisch niemand, auch das gemeinsame Projekt mit Steven Wilson unter dem Namen „Blackfield“ hat daran nicht viel geändert. Meine Aufmerksamkeit jedoch weckten diese Platten, welche viele Songs aus der Karriere von Aviv wieder verwendeten. Meine Neugier war geweckt: Wie klingt seine Musik mit hebräischem Text? Was ist an dem Phänomen dran?

Popmusik definiert sich oft nicht durch die Tiefe, sondern die Strahlkraft. Bei Aviv Geffen muss man dies relativieren, denn der Musiker hat seit Jahren eine klare Position zur Politik von Israel bezogen und lässt seine linken und regierungskritischen Gedanken in die Texte einfliessen. Als Unkundiger des Hebräischen bleibt mir momentan aber dieser Aspekt der Musik verwehrt, ich muss mich auf Übersetzungen und Deutungen verlassen. Doch die Musik weiss auch ohne diese Seite zu bestehen. Wie es sich für Popmusik aus dem 21. Jahrhundert gehört, wurde hier alles klar und auf hohem Niveau produziert. Der Gesang steht meist im Vordergrund und fügt sich gut ins Gesamtbild ein. Die Instrumente werden vor allem durch Effekte und Synthies – und die obligaten Gitarrensoli – bestimmt, alles flackert und glitzert. Gleich mit dem Einstiegslied beweist Aviv seine grösste Stärke: Das Songwriting überzeugt auf Anhieb, denn ob die Songs den normalen Strukturen oder verspielten Einfällen folgen, die Musik ist spannend und unterhält.

Wenn plötzlich die Gitarren ausbrechen und die verzerrte Stimme dagegen ankämpft, das Glockenspiel die Harmonien begleitet, das Orchester emotional unterstützt, der Chorgesang den Refrain einleitet oder fernöstliche Klänge das Spektrum erweitern – alles fügt sich zu einem wunderbaren Gesamtbild zusammen. Geffens Musik gefällt mir dank der stark gefühlvollen Darbietung, der gesunden Mischung aus Pathos, Melancholie und Glück. Sicherlich, es finden sich keine grossen Unterschiede zum Pop aus England. Trotzdem, Aviv ist mir sympathisch und die Musik mit genügend Intelligenz gemacht, um nicht belanglos zu wirken. Dass dabei der Kitschfaktor durchgehend hoch bleibt ist mir recht, könnte aber manchen abschrecken. Und leider verliert das Album gegen Ende etwas an Schwung, die ersten paar Songs sind dafür umso grösser.

Anspieltipps:
I used to sing for you / הייתי שר לך, Rotating / מסתובב, New World / עולם חדש

Das dazu passende Getränk:
Eine Dose israelisches Goldstar.

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