Tel Aviv und die Musik

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Meine erste Reise in ein Land ausserhalb Europa führte mich nach Israel, besser gesagt die weltliche Stadt Tel Aviv. Trotz allen Bedenken und persönlichen Gründen, die eigentlich gegen eine Reise in das Land sprechen, haben die Vorteile von Strand, Sonne und netter Bevölkerung gesiegt. Kurz nach Weihnachten hiess es also Shalom und willkommen im nahen Osten. Wenn man die Hürden der Einreise am Flughafen erst Mal hinter sich gelassen hat, beginnt eine spannende Zeit in einer Stadt voller Mischungen und Gegensätze.

Der Stadt Irreal setzt sich vor allem aus Einwanderer zusammen und bietet bis heute ein multikulturelles Erscheinungsbild. Auf den Strassen wird Französisch, Russisch, Englisch, Arabisch und ab und zu auch Hebräisch gesprochen. Schilder und Restaurants bieten fast immer eine englische Erklärung, alle Menschen verständigen sich mehrsprachig. Also keine Angst vor den merkwürdigen Schriftzeichen, meist ist nur wenige Meter daneben ein hilfsbereiter Einheimischer, der gerne alles erklärt und weiter hilft. Von den Spannungen an den Grenzgebieten ist hier zu keiner Sekunde etwas zu spüren, allerdings sollte man politische Themen auch besser nicht ansprechen.

Über Neujahr fanden an vielen Orten festliche Aktivitäten statt, denn obwohl die Juden an dem Tag nicht feiern, hat sich die Stadt ganz auf die Bedürfnisse der Zugezogenen und Touristen ausgerichtet. Wer aber versucht, ohne Reservation in einem Lokal anzustossen, der stösst schnell auf verneinende Blicke. Für Unterhaltung und bessere Laune sorgte da die spontane Jamsession einer tollen Psychedelic-Band, mitten auf dem Rothschild Boulevard. Laut, spassig, tanzbar. Wir fanden dann doch noch eine tolle Bar (ein Club, ein Cafe, was auch immer das genau war) und hörten uns in den letzten Stunden von 2014 alte Klassiker aus dem Chartprogramm an. Obwohl dies musikalisch ohne Gehalt war, passen solche Lieder irgendwie an Partys. Eigentlich ist ja den Meisten eh egal was läuft, Hauptsache mitsingen und die Bier stark schwenken.

Im neuen Jahr nutzte ich die wiedererlangte Nüchternheit um lokale Musik einzukaufen. Mein Wissen über Bands aus Israel ist leider sehr beschränkt, aber schon lange wartete ich auf die Gelegenheit, von Superstar Aviv Geffen endlich Alben auf hebräisch einzukaufen. In den gut sortierten Record Stores wie The Third Ear fand ich von dem Musiker eine grosse Auswahl und habe zugeschlagen. Nebst dem neusten Werk „Cracks“ noch zwei ältere Scheiben und sein Live Album aus dem Jahre 2008. Gerne werde ich später noch mehr darüber schreiben, soviel aber schon jetzt: Grosser Pop mit viel Emotion, Gefühl und Kitsch. Super!

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Nach fünf Tagen hiess es dann auch schon wieder Passkontrollen, Gepäckkontrolle, Passkontrollen, Verhöre, und Abschied winken. Es war eine kurzweilige, interessante und spannende Zeit. Nebst den tollen Restaurants an jeder Ecke und dem schönen Strand, finden sich in der Stadt überall baufällige Gebäude, Abfall und streunende Katzen. Die Bewohner sind immer am Telefon (bestenfalls während der Arbeit oder auf dem Fahrrad), geraucht wird auch in Nichtraucherzonen und in Geschäften, und kurze Gespräche mit Unbekannten sind keine Seltenheit. Tel Aviv präsentiert sich in einer eigenen Mischung aus Herzlichkeit, Vielfältigkeit und Dreck. Eine Reise dahin lohnt sich, aber so schnell werde ich wohl nicht wieder dahin zurückkehren.

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