Flying Lotus – You’re Dead (2014)

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Flying Lotus – You’re Dead
Label: Warp, 2014
Format: Doppelvinyl im Gatefold, mit Downloadcode
Links: Discogs, Künstler
Genre: Hip-Hop, Experimental, Jazz

Tod, Verderben, Trypophobie. Flying Lotus macht es dem Hörer auf seinem neusten Werk keinesfalls einfach, aber das wollte Steven Ellison mit seiner Musik sowieso noch nie. „You’re Dead“ bietet eine wahnsinnige Mischung aus Avantgarde-Electronica mit Hip-Hop und Jazz – das klingt nicht nur auf Papier übermutig. So ist die erste Vinylseite eine vierteilige Ouvertüre, die auch Liebhaber der komplizierten und frickeligen Musik Schweisstropfen auf die Stirne treiben wird. Obwohl nach wenig mehr als fünf Minuten der Zauber vorbei ist, muss man zuerst mal Luft holen, bevor man die Platte wendet. Etwas geschockt erwartet man weitere solcher Ausbrüche und duckt sich schon hinter dem Sofa, aber siehe da: Der Hip-Hop hält nun mit Kendrick Lamar Einzug und die Lieder werden zwar nicht einfacher, aber ein wenig länger und fokussierter.

Sowieso, die Gästeliste ist gross und jeder darf versuchen, mit seinem Rap einen Leitfaden in die Verwirrung zu bringen. Snoop Dogg, Niki Randa oder Thundercat, alle geben sich die Klinke in die Hand und stellen sich dem Sturm. Dabei werden Strukturen und Gewohnheiten eines solchen Albums komplett missachtet und über den Haufen geworfen. Wieso sollte sich ein Lied mit Strophe-Refrain-Strophe zufrieden geben, wenn es auch alles miteinander und sekundenschnell anders machen kann? Wieso einzelne Tracks auf einem Album unterteilen, wenn man alles zu einem grossen Wirbelsturm verbinden kann, und die Aufteilung somit Nichtig macht? Schliesslich dauern die Teilstücke sowieso nur selten länger als zwei Minuten. Kurz gesagt, warum einfach wenn es auch komplex geht? Das Flying Lotus dabei unter all diesem Gehetze grandiose Songs vergraben hat, fällt dem Hörer aber bald auf. Unwiderstehlich schmiegen sich die Lieder an die Synapsen und wollen wiederholt gehört werden. Da man sowieso nie alles mitkriegt, bleibt die Platte lange spannend.

Wer sich also nicht in all den Noten verliert, darf zur Musik auch gerne noch das nicht weniger irritierende Artwork geniessen. Mit klar gezeichneten Bildern wird der Albumtitel dargestellt und Menschen zerreisst es in ihre Einzelteile. Gewebe, Knochen, Hirn, Löcher, Flecken, unregelmässige Muster. Wer seinen natürlichen Abwehrmechanismus vor solchen Erscheinungen nicht beherrscht, wird sich hier genau so schnell wegdrehen wie vor einer Lotusblüten-Fotomontage. Alle anderen kämpfen gegen den Ekel und erhalten dafür als Belohnung ein schwieriges, aber genial ausgeführtes Album der komplizierten Rap-Electronica. Flying Lotus bleibt einer der Wichtigsten seines Fachs.

Anspieltipps:
Never Catch MeSiren SongMoment Of Hesitation

Das dazu passende Getränk:
Frisches Regenwasser aus einem Lotuswurzel-Kelch.

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