The Walkabouts – Acetylene (2005)

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The Walkabouts – Acetylene
Label: Glitterhouse Records, 2005
Format: CD im Mediabook
Links: Discogs, Band
Genre: Alternative, Indie-Rock

Meine Verbindungen zu Musik und die davon ausgehenden Reize sind manchmal schon etwas merkwürdig. Im Jahr 2005 begann ich die Welt der Musikzeitschriften zu entdecken und kaufte voller Aufregung meine ersten Ausgaben von Musikexpress und dem Deutschen Rolling Stone. Zum ersten Mal las ich seitenweise Rezensionen und Kritiken zu Alben und Bands, die ich noch nie gehört hatte und total unbekannt waren. Aber schon damals wie auch heute noch übten gewisse Berichte über Platten eine fast unwiderstehliche Anziehungskraft aus, eine Neugier auf die besprochene Musik, die mich nicht mehr los liess. Heftbegleitende CDs versüssten diese Momente gerne, so auch der Song „Fuck Your Fear“ von The Walkabouts. Alternativer Indie-Rock mit einem rumpeligen Sound und zweistimmigen Gesang, sowie dem parolenhaften Text. Sehr gelungen, das Album „Acetylene“ wurde auf die imaginäre Liste gesetzt.

Neun Jahre später an einem Musikflohmarkt; eben besagtes Album fällt mir in die Finger und ich erinnere mich an den Moment von damals. Seither habe ich tausende von Alben gehört, gekauft und mit Freunden diskutiert. Doch The Walkabouts waren nie dabei. Mehr aus Nostalgie als Aufregung habe ich mir die CD gekauft und höre nun endlich die Musik, die mich damals neugierig machte. Und siehe da: Es ist eine vorzügliche Platte, eine wütende Abrechnung mit der Bush-Regierung und eine textliche Auseinandersetzung mit vielen Ungerechtigkeiten auf dieser Welt. Kriegshandlungen, Flüchtlinge, Chaos und Anarchie. Die Musik der Band aus den USA bleibt dabei praktisch durchgehend gereizt und aggressiv, die Gitarren schrammeln, das Schlagzeug kracht und die Stimmen würden gerne losschreien. Durch die eher Lo-Fi mässige Produktion des Albums sind die Songs geerdet und sehen trotz ihrer Schmutzschicht hübsch aus.

Mit dem doppelten Gesang von Carla Torgerson und Chris Eckman erhalten die Lieder eine angenehme Tiefe und mehr Abwechslung. Der Alternative Rock von The Walkabouts wird hier gehörig durcheinander gerüttelt und aufgefrischt. Ich kenne leider keine weiteren Werke der Band, „Acetylene“ gilt aber als eines ihrer aufbrausendsten. Thematisch passt dies ganz gut, Ecken und Kanten gehören zu solchen Texten. Denn wenn in „Kalashnikov“ Zeilen wie „The commando squad / Is bored and poorly fed / Surveillance is their dog / And it’s hounding us to death“ fallen, will man nicht dazu tanzen, sondern wütend mitschreien. Aber auch ruhigere Momente wie „Whisper“ gefallen und erinnern dann eher an Bands wie Stars oder Broken Social Scene. Für Freunde des dreckigen Indie-Rock ist das Album eine tolle Erweiterung ihrer Sammlung. Manchmal sollte man wohl echt früher auf seine Instinkte hören.

Anspieltipps:
Fuck Your Fear, Coming Up For Air, Kalashnikov

Das dazu passende Getränk:
Alles was sich George W. Bush so reinpfeift (aber mit den richtigen Untersetzer).

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