Live: Kejnu, Mehrspur Zürich, 14-12-13

Kejnu_Live_MBohli

Kejnu
Samstag 13.12.2014
Mehrspur, Zürich

Wie schnell sich manche Dinge verändern, wie oft man Entwicklungen nur am Rande wahrnimmt, oder völlig verpasst. So hat sich im letzten Jahr das Toni-Areal in Zürich komplett gewandelt, die ZHdK ist eingezogen, neue Schulungs- und Ausstellungsräume entstanden, und der Musikclub Mehrspur erhielt ein neues Lokal. Topmodern eingerichtet, wunderbar aufgeteilt und mit toller Soundanlage ausgestattet, wechseln sich hier Konzerte und Partys ab. Ein Ort an dem man sich gleich wohl fühlt und freundlich empfangen wird. Der Grund wieso ich mich hier eingefunden habe, war ein alter Bekannter. Die Band Kejnu durfte ich vor vielen Jahren bei einem Livekonzert im Ochsen Zofingen kennen lernen. Damals noch in leicht anderer Besetzung mit nur zwei Alben ausgerüstet, überzeugte mich der etwas traurige Indie-Rock mit viel Gefühl. Doch wie es die Welt so wollte, verlor ich die Band aus den Augen und fand nie Gelegenheit weitere Konzerte zu besuchen. Bis jetzt, zwei Alben später.

Schon beim ersten Song war mir sofort klar: Die Gruppe um Nuél Schoch hat grosse Schritte nach vorne gemacht und ihren Sound verändert. Ist die Musik ab CD vor allem das Werk von Nuél und dem Drummer Alessandro Giannelli, werden die beiden Live von Ramon Ziegler und James Varghese an Keys und Bass unterstützt. Alle vier sind versierte Musiker und haben das Zusammenspiel als Band mehr als gemeistert. Bei leisen Stellen harmonieren der zweistimmige Gesang mit der sanften Gitarre und Orgel, um dann immer mal wieder als komplette Band total auszubrechen und eine Wall Of Sound sondergleichen aufzubauen. Harte Bassläufe und dröhnendes Schlagzeug, Gitarren aus dem Postrock und weite Keyboardflächen. Der Druck den die Band ausübt, geht dabei oft soweit, dass die Musik zu einem ganzkörperlichen Ereignis wird und auch mit dem Bauch und den Beinen die Stücke verarbeitet werden.

Ihre Mischung aus Pop, Electronic und Alternative hat einen sehr eigenen Klang und wird live zu einem Gigant aus Post-Pop und Post-Rock. Kejnu wissen auch die typischen Gefahren in der Schweizer Musikszene zu umfahren und setzen den Gesang oft wie ein Instrument ein und erschaffen somit ein harmonisches Gesamtbild. Gerade durch die klare Abmischung im Mehrspur war schnell klar: Diese Band ist live phänomenal und weiss zu jeder Minute zu überzeugen. Auch wenn Gitarresaiten reissen oder das Publikum bei sehr kurzen Songs zuerst das Applaudieren vergisst, all dies war kein Grund zur Nervosität. Etwas schade jedoch, dass die Zuschauer allgemein sehr zurückhaltend waren. Der positive Aspekt: Kein lautes Gequatsche während der Musik. Negativ: Tanzen und mitfeiern geschah eher in den Köpfen den meisten.

Aber ich habe keinen Grund zum meckern. Das Konzert – bestehend aus Songs vom neusten Werk „Centillion“ und dem Vorgänger „I Have No Arms And No Legs“ – hat mich vollständig überzeugt, die Setlist war eine gelungene Mischung aus melancholischen Popsongs und dröhnenden Kolossen voller Gitarre und Electronica. So muss Musik aus der Schweiz klingen.

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