Steven Wilson – Cover Version (2014)

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Steven Wilson – Cover Version
Label: KScope, 2014
Format: Doppelvinyl im Gatefold
Links: Discogs, Musiker
Genre: Pop, Art-Pop

Cover von bekannten Liedern sind so eine Sache, entweder weiss der Neuinterpret dem Werk eine neue Facette hinzuzufügen oder es ist eine simple Kopie, meist mit qualitativen Verlusten. Steven Wilson hat zwischen 2003 und 2010 sechs Singles mit je einem Coversong und einem eigenen Lied veröffentlicht, diese wurden nun gesammelt als Doppelvinyl von KScope neu veröffentlicht. Auch der Progmeister stolpert dabei über den Kopieversuch.

Zuerst überrascht sicherlich die Songauswahl: Abba, Alanis Morissette oder Prince werden hier gespielt. Wilson hat eine starke Affinität zur Popmusik und lebt diese voll aus. Dass dabei der Kitschfaktor sehr hoch ist, beweist vor allem „Thank You“. Schon das Original ist triefende Radiomusik, und Wilson weiss auch nichts anderes damit anzufangen. „The Day Before You Came“ von Abba gefällt mir da schon besser, klingt hier wie ein etwas durchschnittlicher Blackfield-Song. „A Forest“ verliert sogar stark gegenüber dem Original, fehlen mir doch die schrägen und verrückten Synthies, die The Cure einsetzen. Auch die restlichen Lieder von Prince, Momus und Donovan plätschern eher vor sich hin, und man weiss nicht so recht was damit anzufangen. Eine Hommage von Musiker an Musiker ist eine tolle Sache, doch oft spricht es die Hörerschaft leider nicht so an wie die Künstler selber. Schön aber das die Songs doch klar im Klangkosmos von Wilson eingebettet wurden.

Unterhaltsamer und interessanter ist die zweite Scheibe. Mit den sechs Eigenkompositionen lässt sich die Entwicklung und Veränderung von Stevens Schreibqualitäten erhören. Sind die ersten Songs doch eher sanfte und normale Poplieder, greift spätestens ab „The Unquiet Grave“ das typische Wilson-Gefühl um sich und umhüllt die Lieder mit einer bedrückenden und faszinierenden Atmosphäre. Dieser Klangsprache ist er bis heute treu geblieben – aktuelle Alben wie „The Raven That…“ zeugen davon. Wie immer ergänzen sich seine Stimme und die stimmigen Synthieflächen wunderbar, die Gitarre spielt in den höheren Lagen und alles ist mit perfekten Harmonien verziert. Sein Können zeigt sich eben doch erst richtig in der eigenen Handschrift und bei der Entfaltung ohne einzäunende Vorlagen. Das Doppelvinyl ist somit eher etwas für Fans und Komplettisten, denn ob sich der Preis bei sechs eher mittelmässigen Kopien und sechs kurzen Eigenstücken lohnt, ist fraglich.

Anspieltipps:
Thank You, The Unquiet Grave, An End To End

Das dazu passende Getränk:
Eine Tasse Schwarztee mit Zitrone.

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