Bruce Springsteen – High Hopes (2014)

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Bruce Springsteen – High Hopes
Label: Columbia, 2014
Format: Doppelvinyl mit CD
Links: Discogs, Musiker
Genre: Rock, Americana, Pop

Der Boss zeigt sich in den letzten Jahren alles andere als müde oder gealtert. Seine neuen Platten wirft er in kurzen Abständen auf den Markt und dazu wird immer wieder ausgiebig getourt – natürlich in den grössten Hallen und Stadien. Mit „Magic“ gelang ihm 2007 ein grosser Wurf, der fast an die alten Klassiker anschliessen konnte. Leider ist dies mit „High Hopes“ nicht passiert, die Hoffnung wurde etwas zu hoch geschichtet – auch wenn es sich hier um eine Sammlung aus alten Resten und neuen Versionen von Klassikern handelt.

Der Beginn mit dem Titelsong ist wuchtig und macht Laune mit Bläsern, Chor und dem stimmigen Refrain. Was man hier schon gut raushört ist die Gitarre von Tom Morello – der ja in letzter Zeit so etwas wie der Ziehsohn von Bruce geworden ist. Allerdings sind in meinen Ohren die typischen Klänge seiner Gitarre hier eher fehl am Platz. Das erste und einzige Highlight der Platte ist kurz danach „American Skin (41 Shots)“, ein klassischer und epischer Boss-Song, der mit grossen Gesten und einem moralischen Text voll ins Schwarze trifft. Besonders grossartig ist, wie er sich nach der Hälfte öffnet und das Tempo und die Lautstärke nochmals erhöht. Genau wegen solchen Momenten mag ich die Musik von Herrn Springsteen, eine rasante Fahrt mit gesundem Pathos durch die weiten Ebenen der Staaten. Hier liegt aber auch der Schwachpunkt der neuen Scheibe: Magische Stellen und faszinierende Passagen sind rar. Oft klingen die Songs wie am Schreibtisch erzwungene Werke, die an alte Grosstaten anschliessen sollen. Klar, der Boss war und ist ein Arbeiter und vertritt auch diese Mentalität, aber deswegen müssen seine Lieder ja nicht so klingen.

Manches klingt sogar langweilig oder bietet zu wenig Neues, um den Griff zu diesem Album zu rechtfertigen. In seiner Diskografie gibt es haufenweise bessere Songs, die lieber gehört werden. Schön sind aber wie immer die sanften Einflüsse aus Folk, Soul oder Gospel. Das Album enthält ein breit gefächertes Spektrum und Springsteen tobt sich aus. Apropos wüten: „The Ghost Of Tom Joad“ wurde für die Platte neu aufgenommen und durch Morellos Spiel veredelt. Hier lohnt sich der fast wahnsinnige Einsatz seiner Gitarre, eine neue Ebene für das Lied wird erobert. Die ganze Angelegenheit ist dennoch eher etwas für Fans. Neulinge im Bruce Springsteen-Kosmos greifen lieber zu älteren Scheiben. Diese hier ist mir zu durchwachsen und halt vielleicht doch langsam altersmüde (in der Ideensuche, nicht der Ausführung).

Anspieltipps:
High Hopes, American Skin (41 Shots), The Ghost Of Tom Joad

Das dazu passende Getränk:
Eine Dose Budweiser, ja das amerikanische.

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