Banks – Goddess (2014)

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Banks – Goddess
Label: Harvest, 2014
Format: Doppelvinyl im Gatefold, mit Downloadcode
Links: Discogs, Musikerin
Genre: Pop, Electronica, R’n’B

Jillian Banks lässt auf ihrem Debüt tief blicken – nicht nur auf dem hübschen Bild auf dem Cover. Nein, auch die Musik und ihre Texte sind intim und persönlich, sie erscheinen in einem modernen und eleganten Kleid aus Beat und Stille. Mit „Goddess“ steht das erste Album von Frau Banks in den Regalen und war für mich keine einfache Angelegenheit. Kennengelernt habe ich ihre Musik im Vorprogramm des Massive Attack-Konzerts in Montreux. Die Langsamkeit und Basslastigkeit haben mich damals sehr überzeugt. Die Platte erschien einige Zeit später und ehrlich gesagt: Zuerst war ich total enttäuscht.

Die seit einigen Jahren modische Musik im Schmelztiegel zwischen R’n’B, Soul, Pop und Electronica hat sich vor allem dank Acts wie The XX, James Blake oder Jamie Woon ein grosses Publikum erspielt. Auch ich habe diese neue und entspannte Herangehensweise an bekannte Arten von Musik begrüsst und besonders James Blake abgefeiert. Banks begibt sich nun in dasselbe Auto und fährt in langsamen Tempo die abgedunkelten Strassen runter, das Fenster runtergedreht, die Kippe im Mundwinkel und immer ein gebrochenes Herz in der Brust. „Always calling me unstable / You so easily can make me cry / Just cause you are in a mood“, die arme Frau will nur geliebt und verstanden werden. Doch die Welt (oder eher die Männer) sind oft grausam und sie leidet. Fast alle Texte handeln von unschönen Momenten in Beziehungen oder deren Nachwehen. Dabei werden die melancholischen Texte mit Gesangsmelodien intoniert, die aus dem Gebiet des R’n’B stammen. Banks verfügt über eine starke und wandelbare Stimme, meist aber hält sie sich gerne zurück.

Die Musik unterstützt die Frau dabei am stärksten mit der Stille. Alles ist auf die Knochen reduziert und oft gibt es nur wenige Synthiespuren und Schlagzeugfüller. Die Wut entflammt dann teilweise als düster wabernde Beats und laute Keyboards, wobei sie schnell zur Resignation und Trauer zurückkehrt. Dadurch ist das Album zu Beginn ein zu gleichförmig dahin kriechendes Wesen. Die Lieder erscheinen alle sehr ähnlich, es passiert zu wenig um zu fesseln. Nach einigen Durchgängen aber schälen sich die Eigenheiten heraus und ihre Musik fasziniert. Es ist beachtlich, wie tiefgründig und durchdacht all dies für einen Erstling ist. Die Gesamtstimmung des Albums ist ein wunderbar komplettes Werk aus Musik, Text, Design und Atmosphäre. Banks hat ein grosses Talent, muss aber weiter an sich arbeiten. Mit 14 Liedern ist das Album meiner Meinung auch ein wenig zu lang geraten. Trotzdem, eine angenehme Abwechslung zu den sonst so gleich produzierten Popstars und mit grossen Zukunftsaussichten.

Anspieltipps:
This Is What It Feels Like, Stick, Begging For Thread

Das passende Getränk dazu:
Ein Dry Martini in einer hypermodernen, aber düsteren Bar.

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