Genesis – R-Kive (2014)

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Genesis – R-Kive
Label: Virgin, 2014
Format: Dreifach-CD mit Booklet im Digipak
Links: Discogs, Band
Genre: Progressive Rock, Art-Rock, Pop, Rock

Eine komplette Übersicht und Werkschau der Progrock-Legende Genesis und der Solokarrieren von jedem Mitglied? Auf drei CDs? Ein Projekt, das zum Scheitern verurteilt scheint – die Masse an Musik ist schliesslich gewaltig. Aber BBC, die Musiker und Virgin haben sich zusammengesetzt, um ein der Legende würdiges Produkt zu erschaffen und damit pünktlich zum Weihnachtsgeschäft und der Ausstrahlung der neuen Dokumentation „Sum Of The Parts“ eine stattliche Best Of kreiert. Verpackt in einem hübschen Digipak macht die Sammlung doch einiges her, besonders auch dank dem informativen Booklet, in dem jedes Albumcover abgebildet wird.

Die Musik von Genesis benötigt hoffentlich keine Einführung mehr. Die Band startete 1970 mit „Trespass“ einen bis heute schillernden Siegeszug durch die Welt des abenteuerlichen Prog Rock. Alben wie „Selling England By The Pound“ oder „The Lamb Lies Down On Broadway“ sind bis heute Referenzpunkte für viele Bands und gelten zu Recht als Meisterwerke. Die Band verstand es, solch grundverschiedene Menschen wie Peter Gabriel, Phil Collins oder Tony Banks auf eine Wellenlänge zu bringen und gemeinsam nicht nur Lieder, sondern Epen und Geschichten zu erschaffen. Nach den Ausstiegen von Gabriel und Steve Hackett bog die Band in Richtung Pop ab. Diese extreme Umstellung verärgerte nicht nur viele Altfans, die Neuausrichtung machte aus den Bandmitgliedern weltweit bekannte Stars und die Songs standen überall an der Spitze der Charts. „Mama“, „Invisible Touch“ oder „I Can’t Dance“ zeugen bis heute aber davon, dass es hier nicht um das schnelle Geld, sondern um die künstlerische Wandlung ging. „R-Kive“ gelingt es dabei gut, die interessanten und bedeutenden Lieder auszuwählen – das unvermeidliche „Hold On My Heart“ vergessen wir jetzt einfach mal. Und auch wenn viele Alben von Genesis besonders als Gesamtwerk ihre Wirkung entfalten, verfügen die Lieder auch separat präsentiert genügend Tiefgang um als Compilation zu überzeugen.

Der interessanteste Aspekt von „R-Kive“ ist aber die chronologische Integration der Lieder aus den Soloalben. Jeder Musiker durfte selber drei Songs auswählen, welche in seinen Augen die wichtigsten oder passendsten darstellen. Erstaunlich ist dabei, dass oft nicht die klassischen Hits sondern eher unbekanntere Lieder gewählt wurden. „The Living Years“ von Mike + The Mechanics, „Easy Lover“ von Phil Collins oder „Signal To Noise“ von Peter Gabriel hätte wohl nicht jeder erwartet, es gibt schliesslich einige erfolgreichere Lieder. Dadurch erhält die Sammlung aber einen Mehrwert und bietet einige überraschende Momente: So erstaunt es doch wie gut sich beispielsweise „Signal To Noise“ und „Calling All Stations“ (vom allerletzten, mit Ray Wilson am Mikrofon stehenden Genesis-Album) nebeneinander machen. Oder das Hackett schon immer seinen eigenen Weg mit der Musik ging.

Somit lohnt sich „R-Kive“ auch für Leute, die alle Alben der Band besitzen und sich gerne mal einen chronologischen Überblick verschaffen wollen. Perfekt funktioniert dieses Set vor allem für Neulinge, werden doch alle Facetten der Band abgebildet. Und Komplettisten greifen sowieso zu. Kritikpunkt meinerseits: Eine Best Of ist immer eine Best Of, ich mag dieses Format per se nicht wirklich da oft zu viele Aspekte und Wirkungen der Alben verloren gehen. Aber als Fan der Band und Vergötterer von Peter Gabriel habe ich natürlich trotzdem zugegriffen.

Anspieltipps:
I Know What I Like (In The Wardrobe), In The Air Tonight, Silent Running (On Dangerous Ground), Invisible Touch, Signal To Noise

Das passende Getränk dazu:
Ein altbewährtes Fuller’s, englisch und gereift.

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