Kosheen – Kokopelli (2003)

“Musik für die Ewigkeit”; unter diesem Label veröffentliche ich Reviews zu Platten und Alben die mein Leben am stärksten beeinflusst haben und mir für immer ans Herz gewachsen sind. Meine persönlichen Platten für die einsame Insel.

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Kosheen – Kokopelli
Label: Moksha, 2003
Format: CD mit Booklet
Links: Discogs, Band
Genre: Pop-Rock, D’n’B, Electronica

Grossartig, viel besser als das Debüt! Vor etwa 11 Jahren waren dies meine ersten Gedanken zu „Kokopelli“, dem zweiten Album der Engländer Kosheen. Ihr Erstlingswerk „Resist“ konnte ich zu diesem Zeitpunkt nicht nachvollziehen, die Mischung aus Pop und Drum’n’Bass war für mich zu elektronisch, zu fremd. Witzig wie sich Wahrnehmung und Geschmack über wenige Jahre verändern können. Denn mit dieser damals total frischen Mischung bin ich heute gut befreundet und finde von diesem Standpunkt aus gesehen die erste Platte besser als die Zweite. „Kokopelli“ flirtet nicht nur mit dem Radiopop und -rock, nein, es heiratet ihn sogleich nach einer wilden Nacht in Vegas.

Wo zuvor Electrodrums und wilde Beats regierten, sind nun Gitarren vorherrschend. Das Songformat ist klar den Ansprüchen der UK-Wellen angepasst und oft geht damit der künstlerische Anspruch etwas verloren. Die Band läuft sogar Gefahr, dass einzelne Stücke nicht voneinander zu unterscheiden sind – das Album wird vor allem gegen Schluss zu gleichförmig und plätschert zahm vor sich hin. Die Magie blieb für mich aber immer erhalten. Grossen Anteil daran hat sicherlich die Sängerin Sian Evans. Ihre ausdrucksstarke und oft auch raue Stimme hat eine wunderbare Aura und umfasst genügend Lagen um nie zu langweilen. Live ist die Frau nebst alldem noch eine wahre Rampensau und somit auch gerne der Mittelpunkt der Shows. Sie ist auch diejenige, die für den ersten wohligen Schauder sorgt, wenn der Refrain von „All In My Head“ angestimmt wird – grossartig wie die Frau alles raus lässt und die eigentlich eher banale Melodie liebenswert formuliert. Diese Leistung bleibt bei den meisten Liedern gleich gut. Die krachende Gitarre ist starker Tonangeber, im Hintergrund werkelt sanfte Electronica und Evans singt die düsteren Lyrics voller Inbrunst.

Leider gibt es für mich auch Totalausfälle wie „Blue Eyed Boy“, welches einfach langweilig und ohne wirkliche Aussage bleibt. Ebenso fehlen dem Album klar die Ecken und Kanten des Vorgängers, alles wurde hier glattgeschliffen und poliert. Die Band spiegelt sich sozusagen im Keyboard und feiert auch auf Businesspartys. Refrains und Strophen sind anfangs spannend, werden aber schon bei einer zweiten Wiederholung müssig und zäh. Trotzdem erinnert mich das Album immer an all die vergangenen Momente der letzten Jahre. Mir gefällt die Grundstimmung und besonders die regelmässigen Effekte und Verzerrungen von Gesang und Gitarre. Schlussendlich ist „Kokopelli“ ein Album welches ich niemals weggeben würde und das mit „All In My Head“ und „Recovery“ zwei absolute Reisser enthält. Und ja, Kosheen haben es auch auf den nachfolgenden Alben nicht geschafft, komplett zu überzeugen. Immer wieder fanden sich Füller zwischen Hits – aber das ist ein Thema für ein andermal.

Anspieltipps:
All In My Head, Coming Home, Recovery

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3 Kommentare

  1. Da geht es mir ähnlich wie dir. Eigentlich mag ich die „Resist“ sehr viel lieber als „Kokopelli“. Aber immer, wenn ich vor dem Regal stehe und mich zwischen beiden entscheiden soll, gewinnt „Kokopelli“. Ich glaub, ich hör jetzt mal „Resist“…

    1. Witzig, genau so geht es mir auch immer. Dabei bietet „Resist“ auch viele tolle Songs. Der Drittling „Damage“ finde ich auch sehr gut, wenn auch nicht so stimmig wie die Vorgänger.

      1. „Damage“ habe ich mir dann schon gar nicht mehr zugelegt, sondern kenne es nur noch als bei-irgendwem-mal-gehört-Version. Ist aber schon zu lange her, da kann sich mein altes Gehirn nicht mehr dran erinnern. 😉

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