Live: Glaston, Exil Zürich, 14-11-07

Glaston_Exil1_MBohli

Glaston
Support: Twilight Empire
Freitag 07.11.2014
Exil, Zürich

Und schon wieder eine Plattentaufe, der Herbst scheint dafür ja wie geschaffen zu sein. Glaston wagen es diesmal für ein weiteres Konzert auf die Bühne (scheinbar nach dem Supportingact für Leech zum zweiten Mal in ihrer Karriere) und wurden dabei von einer weiteren Band aus Zürich unterstützt. Twilight Empire sorgten für die Einstimmung und überzeugten mit ihrem new-wavigen Sound, durchmischt von harten Gitarren und wilden Ausbrüchen. Wie The Cure auf Heroin welche benebelt durch die Strassen wanken und dabei nicht nur ihr Gewissen, sondern auch die Sanftheit verloren haben. Die instrumentalen Passagen haben mich komplett überzeugt, was leider ein grosser Schwachpunkt war: Der Sänger. Seine Stimme kam nicht an die gewünschten Töne heran und nach der Hälfte des Sets ging ihm leider die Luft aus. Das hat den Gesamteindruck stark geschmälert und ich hatte dadurch leider keine Lust mehr weitere Lieder zu hören. Wenn ich jetzt ganz bös sein will schreibe ich: Macht weiter mit euerer Musik aber werft den Säger raus. Denn schon alleine das tolle Schlagzeug (eine Mischung aus echten Bestandteilen und Electrodrum) besitzt viel Potential für grossartige Songs. Wie die Band auf Platte klingt kann ich nicht sagen.

Glaston machten sich dann gleich nach der Umbaupause dran ihre komplette EP „Sailing Stormy Waters“ darzubieten. Das Problem mit dem Sänger kennt die Band nicht, spielen sie doch instrumentalen Postrock mit viel Melodie und Keyboard. Gegenüber dem Konzert in der alten Kaserne spielte die Gruppe viel selbstbewusster auf und die Songs erhielten dadurch eine stärkere Bindung. Einzelne Passagen erschienen mir nicht mehr nur aus Funktionalitätsgründen zusammengestellt sondern waren am richtigen Platz. Jedes Instrument hatte seinen Moment und durfte glänzen, kein Musiker stellte sich in den Vordergrund. Die Wechsel funktionierten schneller und fliessender, die halbe Stunde der kompletten EP-Performance verging wie im Flug. Die Band liess es dabei aber nicht bleiben, nach kurzer Pause und dem Einholen des verdienten Applauses wagten sie ein Experiment: „Sunnar“ ein neues Lied das in den letzten Wochen fertig gestellt wurde gab es als Live-Weltpremiere. Der Monolith waberte durch den kleinen aber angenehm eingerichteten Saal des Exil Clubs und verzauberte das Publikum. Leise und bedächtige Stellen machten gewaltigen Ausbrüchen Platz und Melodien rankten sich um die Säulen und Hälse im Saal. Das Lied belegte meine Vorausahnung, dass die Band zu noch viel grösserem und wuchtigerem Material fähig ist. Und scheinbar sind so viele Ideen vorhanden, dass sich solche Brocken innert wenigen Tagen schreiben und proben lassen. Toll!

Etwas war allerdings ein wenig schade: Die Band wollte die EP nicht traditionsgemäss auf der Bühne taufen. Dafür mischten sich die Jungs und das Mädel nach dem Konzert noch unter die Leute, verkauften ihre CD und wurden verdienterweise mit Lob überhäuft.

Das Review zur EP ist hier zu finden.

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