Moscow Mule – EP (2014) / Plattentaufe

MoscowMule_EP_MBohli

Moscow Mule – Moscow Mule
Label: Eigenproduktion, 2014
Format: CD (hier als Sonderversion des Crowdfunding)
Links: Band
Genre: Dark Rock, Post-Punk

Endlich ist sie da, die erste Veröffentlichung meiner liebsten Band aus Zofingen. Das Trio Luca Marti, Cheryl Kubin und Désirée Graber hat mit „Moscow Mule“ ihre Debüt-EP pressen lassen und dabei eine tolle Zusammenstellung von bereits bekannten und gerne live gehörten, und noch neueren Songs eingespielt. Verpackt in einer schlichten aber süss gestalteten Kartonhülle weiss die CD zu überzeugen. Und gleich mal als Erleichterung: Die Produktion und das Mastering sind sehr gelungen, der Klang ist genügend druckvoll und hat Volumen. Die Abmischung balanciert sanften Gesang und grummelnde Bassspuren auf gesunde Weise, die Gefahr des Klangbreis wurde umschifft.

Der Einstieg mit dem in meinen Augen eher simplen „On The Road“ ist noch ein zahmer. Die Instrumente werden im Zaum gehalten, nur der Gesang erlaubt sich den spannenden Wechsel zwischen den beiden Stimmen von Désirée und Cheryl. Bereits aber beim „Rain Dancer“ treten die ersten Taktwechsel auf den Platz und die Gitarre klingt teilweise als wäre sie die Treppe runter gefallen und nun in einem alten Piano festgesteckt. Genau solche Klangexperimente sind für mich einer der wichtigsten Aspekte der Band. Gerade die Gitarre wechselt dabei oft die Klangfarbe und bietet mehrere Spuren in eigenwilligem Zusammenspiel. Das Trio hat keine Furcht davor anzuecken und will nicht allen gefallen. Gut so, denn Konsensmusik gibt es schon mehr als genug. Wobei hier auch die ruhigen Momente genügend Spannung aufweisen um den Hörer bei Stange zu halten. Sei es Melodien mit wortlosem Gesang zu untermalen oder ein gemächliches Schlagzeug als Songüberleitung einzusetzen, es funktioniert so gut das man denkt, diese Band veröffentlicht seit Jahren regelmässig Platten. Auch die Texte reichen im positiven Spektrum von skurril (Chinese Take-Away) bis nachdenklich, klar dargeboten ohne Akzent.

Moscow Mule haben das Ziel reitend und mit grossem Vorsprung auf das Feld erreicht und dürfen sich nun verdient ausruhen. Unterwegs haben sie nicht nur Fans gewonnen und die verdienten Zwischenmahlzeiten eingenommen, sondern teilweise auch eine Wand einstürzen und eine alte Hütte abbrennen lassen. Düster, interessant, punkig, ideenreich und zu keiner Sekunde langweilig. Ich bin echt und wahrlich begeistert!
Zu beziehen ist die EP zurzeit nur bei der Band, schreibt sie doch via Facebook-Page an.

Anspieltipps:
Rain Dancer, Mr. O’Conner, Chinese Take-Away


MoscowMule_Alass_MBohli

Moscow Mule Plattentaufe
Samstag 01.11.2014
Alass Zofingen

Vorgestellt wurde die EP mit einer stattlichen Plattentaufe. Nachdem die Besucher zuerst am Merchandisestand (wunderhübsche T-Shirts und die frisch produzierte CD) und dem tollen Apéro zugegriffen hatten, begab man sich in den schmucken Saal des ehemaligen Kinos und durfte die Videoclip-Premiere von „Rain Dancer“ erleben. Nebst Aufnahmen vom Studio führte ein tanzender Hase durch das Video der die Lyrics bildlich darstellte. Toll gefilmt und geschnitten, witzige Einfälle; so muss es sein. Praktisch nahtlos ging es zum live gespielten Teil über und der konnte sich sehen (oder besser gesagt hören) lassen: Zur Feier der EP spielte das Trio ihr bisher längstes Konzert und mischte ganz alte und brandneue Songs wunderbar durcheinander. Auch wenn die Band nun endgültig ohne Eliane auskommt wussten sie das Klangvolumen von Schlagzeug, Bass und Gitarre gut auszufüllen.

Babybauch oder gerissene Saite, nichts konnte Moscow Mule aufhalten und sie bewiesen einmal mehr, dass ihre Musik in den letzten Monaten einen grossen Schritt nach vorne gemacht hat. Weiterhin bezaubern die verschrobenen und düsteren Bilder welche mit komplizierten Rhythmen und intensiv geschnittenen Gitarren gemalt werden. Gerade bei der Gitarre habe ich mich oft ertappt wie ich dachte, es wären mehrere Instrumente im Einsatz. Auch der Bass bringt den nötigen Groove in die Songs und dient als Gegenpol zum zweistimmigen Gesang welcher oft disharmonisch erscheint und dabei die witzigen Texte eine weitere Fassette erhalten.

Nach dem zweiteiligen Set war klar, wenn die Band weiterhin solche Fortschritte macht und unermüdlich an Songs tüftelt wird in Zukunft noch viel Spannendes auf uns zukommen. Denn nicht nur auf der Bühne, sondern auch im Zuschauerraum sah man nur zufriedene und begeisterte Gesichter. Und eine mit heiligem Wasser getaufte CD kann nur ein Verkaufsschlager werden. Zuerst heisst es aber Livepause und Nachwuchs bei Luca und Cheryl. Alles Gute.

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