The Flaming Lips – 7 Skies H3 (2014)

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The Flaming Lips – 7 Skies H3
Label: Bella Union, 2014
Format: CD
Links: Discogs, Band
Genre: Art-Rock, Post-Punk

Verzerrung, Verzerrung, Rauschen, Schrecken. Die Kult-Band The Flaming Lips und ihr Hausproduzent Dave Friedman bleiben sich auch auf der neusten Scheibe 7 Skies H3 treu. Die Musik kommt direkt aus dem Lautsprecher der Raumfähre, die Übertragung durch das All hat die Klänge verzogen, verbogen und gekrümmt. Alles rauscht, kratzt und klingt wie aus einem Drogentrip in die Hölle. Wie heisst es doch so schön? Im Weltall hört dich niemand schreien.

Geschrien wird auch hier aber wieder oft. Wayne Coneys Gesang driftet gerne in Ausrufe ab und lässt sich dabei genau so stark verzerren wie die Instrumente. Seit „The Terror“ hat die Band sich komplett vom fröhlichen Psychedelic Pop abgwandt und spinnt nun Fäden aus Stacheldraht. Sich diese Stoffe als Hörer anzuziehen kann zuerst erschrecken und weh tun, danach aber gewöhnt man sich an die Schmerzen und geniesst es. Wobei 7 Skies H3 sowieso ein Sonderfall darstellt. Eigentlich als 24 stündigen Song aufgenommen und nur in limitierter Anzahl auf Festplatten in Totenschädel veröffentlicht, ist jetzt mit dem Album eine destillierte Version mit Laufzeit von 50 Minuten erhältlich. Aus jedem Abschnitt wurde eine Sequenz herausgeschnitten und neu abgemischt. Die zehn Lieder stellen aber wiederum ein nahtloses Werk dar. Soweit noch was klar?

Eröffnet wird das Album mit einem sanften Song über die Liebe und wie stark man seine bessere Hälfte vermissen kann. Die Band hält sich noch zurück, obwohl auch hier die Synthies wie Schreie eines Opfers klingen und die Gitarren überall anecken. Sobald Wayne aber mit dem Gesang aufhört stürz die Gruppe in einen Strudel aus Wahnsinn und Tobsucht. Es gibt kein Halten mehr, die Dämme brechen und heraus stürzt Psychedelic-Horror-Art-Rock vom feinsten. Man wird wie in ein schwarzes Loch gesogen und versucht erst gar nicht mehr den Schrecken zu entkommen. Auch ruhige Momente wie Field Records von Regen oder simple Gitarrenstellen haben immer die eine Hand zu einer Kralle gekrümmt. Das doppelte Experiment (zuerst ein ewig langer Song aufzunehmen, danach diesen zu einer normalen Album-Spielzeit zusammen zu schneiden) hat sehr gut funktioniert und die Platte fügt sich perfekt in die Diskographie von The Flaming Lips ein.

Anspieltipps:
7 Skies H3 (Can’t Shut Off My Head), Meepy Morp

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