Jonathan Wilson – Fanfare (2013)

JWilson_Fanfare

Jonathan Wilson – Fanfare
Label: Bella Union, 2013
Format: Doppelvinyl mit CD, Gatefold
Links: Discogs, Künstler
Genre: Alternative, Folk, Country, Americana

Zuerst steht man vor einem Brocken: 13 Songs, 78 Minuten Spielzeit, nur drei Lieder knapp unter fünf Minuten. Wie viele Musiker sind schon an solchen überlangen und voll gestopften Alben gescheitert? Gleich vorneweg: Jonathan Wilson macht alles richtig und keine Minute ist verschwendete Zeit. Der 39-jährige Musiker aus Los Angeles hat ein Album komponiert das wie ein Kaleidoskop schimmert und die Lieder fröhlich zwischen Folk, alternativem Rock, Psychedelic und sogar Blues wechseln. Dabei erreicht Wilson das bestmögliche Ergebnis und alle Teile der Songs wirken homogen und sind perfekt platziert. Melodien greifen ineinander, scheinbar willkürlich platzierte Gitarrenakkorde ergeben mit der Zeit klare Strukturen.

Zu Beginn steht „Fanfare“, eine Ouvertüre mit grossen Gesten und Bläsern. Das Lied breitet sich aus und verändert sich zu einem wunderschönen Lied mit Hippieflair und sogar ein Saxophon darf am Schluss mit rein. Das darauf folgende „Dear Friend“ zeigt das Genie von Wilson. Stimmungswechsel, diverse Rhythmen, toller Gesang und variantenreiche Instrumentierung. Zum Glück ist das Lied sieben Minuten, lang denn vorher dürfte es auf keinen Fall aufhören. Das dazu veröffentlichte Video ist ebenfalls sehr gelungen und man könnte meinen der Song stammt aus den Siebzigern. Allgemein ist die Musik von Jonathan Wilson ein musikalischer Spaziergang durch die Zeit der freien Liebe und Unbeschwertheit. Pink Floyd, Led Zeppelin, CCR, CSN&Y, Bob Dylan, alle schauen vorbei und klatschen dem Musiker auf die Schulter. Unglaublich faszinierend ist dabei dass nicht nur die grossen Momente wie die tobenden Instrumente in Cecil Taylor packen, sondern auch ganz sanft gespielte Gitarren wie in „All The Way Down“.

Doch ein wenig Vorsicht ist geboten. Beim ersten Hördurchgang erschliesst sich nur ein kleiner Anteil sofort, sind die Lieder im Aufbau nicht immer klar zu durchschauen. Die Musik packt aber sofort und lässt nicht mehr los. Bei mir war es extrem; obwohl ich nur zwei Songs gehört hatte musste ich eine Woche lang immer wieder an das Album denken bis ich es mir gekauft hatte. Wenn das Album dann mehrmals auf dem Spieler Platz gefunden hat wird man süchtig und hört nichts Anderes mehr. Aber wieso auch, Jonathan Wilson hat nicht nur alles richtig gemacht sondern auch verpasst der Retromusik einen neuen Glanz und macht sie salonfähig.

Anspieltipps:
Dear Friend, Cecil Taylor, Lovestrong

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